Vorhofflimmern: Jeder zehnte ältere Mensch ist betroffen

Der Puls rast und ist unregelmäßig, das Atmen fällt schwer, Panik steigt auf und das Herz schlägt buchstäblich bis zum Hals: Solche Symptome schildern viele Menschen, die unter dem so genannten Vorhofflimmern, einer häufig auftretenden Herzrhythmusstörung, leiden. Deutschlandweit sind Experten zufolge 1,8 Millionen Menschen betroffen.

„Statistisch gesehen leidet jeder zehnte ältere Mensch unter Vorhofflimmern“, weiß Dr. Alexander Geib, Chefarzt der Kardiologe am Klinikum Hann. Münden. Die Zahl der Betroffenen steige aufgrund der höheren Lebenserwartung stetig. Nahezu täglich erlebe er Patienten, die vorübergehend oder chronisch über Herzstolpern oder -rasen klagen: typische Symptome des Vorhofflimmerns.

„Es gibt aber auch Fälle, in denen die Betroffenen keinerlei Beschwerden haben“, sagt der Mediziner, der Vorhofflimmern auch schon zufällig bei Routine-Untersuchungen diagnostiziert hat. Mithilfe eines Ruhe-EKGs kann diese Rhythmusstörung dokumentiert werden. „Ein Ultraschall des Herzens kann im Anschluss weitere Erkenntnisse über mögliche Ursachen (zum Beispiel Bluthochdruck oder koronare Herzerkrankung) liefern“, sagt Dr. Alexander Geib. Lebensbedrohlich sei ein Vorhofflimmern allein nicht. Langfristig könne es jedoch das Herz schwächen und das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen. „Aufgrund des unregelmäßigen Herzschlags können sich Blutgerinnsel bilden und über den Blutstrom in den Kopf gelangen. Wird dort ein Gefäß verstopft, kann das schwere Schäden verursachen und sogar tödlich sein.“

Blutverdünnende Medikamente gelten deshalb als Standard-Therapie bei Vorhofflimmern. So genannte Betablocker würden häufig eingesetzt, um den normalen Sinusrhythmus des Herzens wiederherzustellen und zu erhalten. Auch eine elektrische Kardioversion – eine Art Elektroschock unter Kurznarkose – kann den Herzschlag normalisieren. „Diese Methode ist sehr erfolgreich“, weiß Dr. Alexander Geib. Um den Sinusrhythmus zu erhalten und einem Rückfall vorzubeugen, müssten Patienten jedoch auch hier meist dauerhaft Medikamente einnehmen.

Die einzige Möglichkeit, die Ursache des Vorhofflimmerns vollständig zu beseitigen, ist die Katheter-Ablation: Ein komplexer Eingriff, bei dem Gewebe im linken Vorhof des Herzens verödet wird, das für die Störimpulse verantwortlich ist. Vor allem bei jungen Patienten sei diese Therapie eine Option, sagt der Kardiologe. (pdf)

Aus dem Takt: Herzstolpern oder -rasen sind typische Symptome des Vorhofflimmerns. Gefährlich ist es deshalb, weil sich aufgrund des unregelmäßigen Herzschlags Blutgerinnsel bilden können. Foto: PantherMedia / lightsource

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