Prof. Dr. Martin Höher informierte über den Schutz vor dem plötzlichen Herztod

Jedes Jahr erleiden in Deutschland mindestens 65. 000 Menschen einen plötzlichen Herztod. In vielen Fällen ließe sich das jedoch vermeiden, denn fast immer ist die Ursache ein erkranktes Herz. Die beste Strategie gegen den plötzlichen Herztod ist, Herzerkrankungen und Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Welche Warnzeichen gibt es und wer ist besonders gefährdet? Prof. Dr. Martin Höher beantwortete in der HNA-Telefonsprechstunde Fragen rund um dieses Thema.

Ich bin männlich und 69 Jahre alt. Bei mir wurde kürzlich ein Mitralklappen-Prolaps beider Segel mit einer Insuffizienz 2. Grades festgestellt. Was bedeutet das?

Beim Mitraklappenprolaps wölben sich Anteile der Klappe, die Segel, während der Systole in den Vorhof vor. Das kann entweder im Laufe des Lebens erworben sein oder ist bereits angeboren. Häufig sind sehr schlanke Menschen davon betroffen. Der Mitralklappenprolaps bedarf meist keiner Therapie. Lediglich eine schwere Insuffizienz sollte operativ versorgt werden. Bei den zumeist leichten Formen, dazu gehört Ihre, ist auf eine normale (normotensive) Blutdruckeinstellung zu achten, damit die Klappen vom Druck entlastet werden.

Ich bin weiblich, 60 Jahre alt. Bis auf Bluthochdruck, der medikamentös behandelt wird, habe ich keine Herzerkrankung und auch keine Risikofaktoren. Allerdings habe ich öfter mal Herzrasen, deshalb habe ich Angst, dass etwas nicht in Ordnung ist und mein Herz einfach stehen bleibt.

Am häufigsten liegt dem plötzlichen Herztod eine koronare Herzkrankheit zugrunde, eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels aufgrund von Einengungen der Herzkranzgefäße. Dies wiederum kann zum Herzinfarkt und auch zur Herzschwäche führen. Weitere seltenere Ursachen für den plötzlichen Herztod sind Herzklappenerkrankungen und angeborene Herzfehler sowie hoher Blutdruck. Da Ihr Blutdruck eingestellt ist und sie ansonsten beschwerdefrei sind, müssen Sie sich nicht sorgen. Über das Herzrasen sollten Sie mit Ihrem Hausarzt sprechen – möglicherweise liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor. Auch an Vorhofflimmern muss gedacht werden.

Ich bin männlich, 65 Jahre alt und habe leider einige Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes. Mein Vater ist mit 73 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Was kann ich tun, um nicht ebenfalls einen Herzinfarkt oder einen plötzlichen Herztod zu erleiden?

Bei Ihren Risikofaktoren sollten Sie einmal im Jahr eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens sowie ein EKG und Belastungs-EKG durchführen lassen. Außerdem müssen Sie darauf achten, dass Blutdruck und Diabetes gut eingestellt sind. Ein weiterer Punkt sind die Blutfettwerte – die dürfen nicht zu hoch sein, sonst erhöht sich Ihr Risiko weiterhin. Außerdem sollten Sie Ihr Gewicht reduzieren und moderat Sport treiben. Wenn Sie regelmäßig zu den Kontrollen gehen, wird man mögliche Erkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln können.

Ich bin männlich und trage seit vier Jahren einen Defibrillator, weil meine Herzleistung nur noch 30 Prozent beträgt. Der Defibrillator ist seither bereits sechs Mal wegen Kammerflimmern angesprungen. Nun bekomme ich Metohexal 47,5 mg und seither ist es nicht mehr vorgekommen. Allerdings ist mein Puls mit 45 Schlägen recht niedrig. Der Defi ist aber auf 60 Schläge eingestellt – kann da etwas passieren?

Nein, die Extraschläge pumpen nicht mit, insofern können sie die bei der Pulsmessung nicht spüren. Da diese aber existieren, gleichen sich die Werte aus. Wichtig ist, dass Sie die reglmäßige Defi-Kontrollen wahrnehmen.

Ich bin weiblich und habe starke Blutdruckschwankungen – trotz Medikamenten. Vor allem nachts senkt er sich nicht ab. Zum Teil liegt er dann bei 170/100 mmHq. Im Laufe des Tages geht er dann aber soweit herunter, dass mir schwindelig wird. Außerdem muss ich nachts sehr oft Wasserlassen, am Tag jedoch kaum. Ich nehme Lozartan, Bisoprolol und Amlodipin.

Das hört sich nach Wassereinlagerungen an – zumal Sie bei Ihrer Blutdruckmedikation auch dagegen nichts erhalten. Sie sollten sich bei Ihrem Hausarzt vorstellen – eine Umstellung der Medikation ist in Ihrem Fall angeraten.

Ich bin weiblich und habe bereits zwei Herzstillstände hinter mir, weshalb ich seit 2013 einen Herzschrittmacher trage. Nun ist es so, dass ich seither bereits ein paar Mal bewusstlos geworden bin. Das letzte Mal im April.

Da Sie Ihren Schrittmacher regelmäßig kontrollieren lassen, hat das damit wahrscheinlich nichts zu tun. Ich rate in jedem Fall zu einem Langzeit-EKG, um zu sehen, ob schnelle Rhythmusstörungen dahinterstecken. Die großen Halsschlagadern sollten Sie ebenfalls untersuchen lassen. Es könnte auch an einer Störung der Kreislaufregulation liegen. Auch neurologische Ursachen könnten hinter Ihren Beschwerden stecken. Sie sollten all das mit Ihrem Hausarzt beziehungsweise dem behandelnden Kardiologen besprechen, um den Ursachen Ihrer Bewusstlosigkeit auf die Spur zu kommen. (veg)

Brustschmerzen, Engegefühl, Luftnot: Bei diesen typischen Herzinfarkt-Symptomen sollten Betroffene nicht zögern und den Notarzt alarmieren. Foto: PantherMedia / suriyaphoto

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