Prof. Dr. Bernd Reith über Funktion und Fehlfunktion der Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist zwar ein kleines Organ, erfüllt aber zwei überaus wichtige Funktionen. Sie ist nicht nur für die Bildung der Hormone Insulin und Glukagon nötig, sondern auch für die Bildung des Bauchspeichels, welcher Verdauungsenzyme enthält und die Magensäure neutralisiert. Das interdisziplinäre Pankreaszentrum der Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel widmet sich der Behandlung von gut- und bösartigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Prof. Dr. med. Bernd Reith, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, sowie Proktologie in den Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel, informierte während der HNA-Telefonsprechstunde über dieses Thema.

Ich bin weiblich und 80 Jahre alt. Schon seit einiger Zeit sind meine Pankreaswerte erhöht – insbesondere die Lipase. Mein Hausarzt hat mich bereits zum MRT geschickt, doch das Ergebnis war ohne Befund. Ich habe auch keinerlei Beschwerden. Was kann das sein?

Wenn das Ergebnis des MRT unauffällig war und Sie auch keine Beschwerden haben, müssen Sie sich nicht sorgen. Es gibt Menschen, deren Laborwerte sich von der Norm unterscheiden, ohne dabei einen Krankheitswert zu besitzen. Dennoch sollte der Wert in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Außerdem sollten Sie bei Beschwerden Ihren Arzt aufsuchen.

Bei mir wurden im Rahmen einer Untersuchung Steine im Pankreasschwanz entdeckt. Der Arzt sagte, da bräuchte man nichts machen. Ich hatte vor Jahren Krebs im Unterleib und bin nun verunsichert.

Die Frage ist, ob Ihnen die Steine Probleme bereiten. Wenn nicht, dann unternimmt man tatsächlich nichts. Mit einem Endoskop sind die Ablagerungen an dieser Stelle sehr schwer zu entfernen – kurzum: Man müsste operieren. Aber wenn Sie beschwerdefrei sind, ist das nicht notwendig. Zumal sie nicht entarten und auch nicht wandern. Allerdings sollten Sie regelmäßig Kontrolluntersuchungen machen lassen – auch abhängig davon, ob Beschwerden auftreten.

Ich bin männlich, 65 Jahre alt. Im Mai dieses Jahres wurde bei mir ein Pankreaskarzinom diagnostiziert, das sich teilweise um die Aorta gewickelt hat und daher bislang nicht operiert werden konnte. Mithilfe von Chemotherapie und Bestrahlung sollte es verkleinert werden, sodass es möglicherweise doch entfernt werden kann. Welche Alternativen gibt es, wenn es nicht geschrumpft ist?

Zunächst muss man sagen, dass eine Operation die beste Wahl bei dieser Tumorart ist. Die Alternativen, beziehungsweise die Methoden, die angewendet werden können, wenn eine Operation nicht möglich ist, sind sehr individuell. Eine erste Variante wäre, die Chemotherapie fortzuführen. Eine andere Möglichkeit besteht in einer alternativen Chemotherapie. Leider haben Chemotherapien bei Bauchspeicheldrüsenkrebs keine hohen Ansprechraten – sie liegen, wenn es gut läuft, bei etwa 40 Prozent.

Ich bin weiblich, 83 Jahre alt und leide unter einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Da auch Gallengries in den Gängen festgestellt wurde, wird mir geraten, die Gallenblase entfernen zu lassen. Allerdings habe ich schlechte Nierenwerte und eine Herzinsuffizienz. Sollte ich das Risiko eines Eingriffs eingehen?

Wegen der Pankreatitis geht es Ihnen vermutlich schlecht. Ihr Risiko ist jedoch bekannt und daher gut kalkulierbar – insofern: Eine Operation macht auf jeden Fall Sinn. Vor allem im Gegensatz zu einer akuten Operation bei erneuter Entzündung. Und auf die könnten Sie warten. Lassen Sie die Gallenblase entfernen, haben Sie Ruhe.

Ich bin weiblich und schon seit langer Zeit sind meine Pankreaswerte, die Elastase, erhöht. Untersuchungen der Bauchspeicheldrüse waren bisher immer ohne Befund. Da ich aber häufig unter Schmerzen im rechten Oberbauch, Blähungen und Durchfall leide, hat meine Hausärztin mir das Medikament Kreon verschrieben. Ist das sinnvoll?

Das Arzneimittel besteht aus Verdauungsenzymen – in erster Linie Lipase –, die bei der Zerkleinerung der Nahrung helfen, indem sie die Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate in kleinere Einheiten aufspalten. Eine normal funktionierende Bauchspeicheldrüse produziert ausrechend Verdauungsenzyme, doch mit zunehmenden Alter kann diese Funktion nachlassen. Wenn Ihnen das Medikament hilft, und die Beschwerden nachlassen, ist es eindeutig, dass Ihnen Lipase fehlt. Eventuell könnten Sie auch eine Ernährungsberatung konsultieren.

Ein Bekannter ist innerhalb weniger Monate nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben. Wie kann es sein, dass er von seiner Erkrankung nichts bemerkt hat?

Bauchspeicheldrüsenkrebs erkennt man im Anfangsstadium sehr schlecht – das macht ihn auch so tückisch. Die meisten Menschen bemerken erst etwas, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist und beispielsweise Gelbsucht und Schmerzen auftreten. In der Regel bereitet ein Pankreaskarzinom zu Beginn unspezifische Symptome. Das Typische ist, dass man eher wenig Beschwerden hat, außer, dass man sich nicht ganz wohl fühlt. Zudem gibt es keine speziellen Marker für das Frühstadium im Labor.

Ein sensibles Organ: die Bauchspeicheldrüse und ein Teil der sie umgebenden Organe. Grafik: HNA/Archiv

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