Nicht jede Arznei abrupt absetzen

Bei einigen Präparaten muss die Dosis schrittweise verringert werden

Ob Blasenentzündung, Erkältung oder Sportverletzung: Viele vom Arzt verschriebene oder selbst gekaufte Medikamente können Patienten nach den Angaben des Deutschen Grünen Kreuzes (DGK) problemlos absetzen, wenn sie keine Beschwerden mehr haben. 

Andere verordnete Arzneimittel müssen hingegen dauerhaft angewendet werden, häufig sogar ein Leben lang. Von allem Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Schilddrüsenleiden seien meist langfristig auf ihre Medizin angewiesen. 

Und dann gibt es noch Medikamente, die Patienten zwar nach einer gewissen Zeit wieder weglassen dürfen - aber keinesfalls plötzlich. Vielmehr müssen diese Präparate dem Grünen Kreuz zufolge unter ärztlicher Überwachung langsam und schrittweise in der Dosis reduziert werden.

Ausschließlich heißt dieser Prozess im medizinischen Fachjargon. Zu dieser Gruppe zählen laut DGK unter anderem die folgenden Arzneimittel.

Kortison-Präparate

Auf keinen Fall von jetzt auf gleich beenden dürfen Patienten eine Behandlung mit Kortison-Präparaten, die beispielsweise bei enzündlichem Rheuma verordnet werden. Sie ahmen die Wirkung des körpereigenen Hormons Kortisol nach, das in der Nebennierenrinde hergestellt wird. Während einer längerfristigen Einnahme von Kortison drosselt der Körper die Eigenproduktion. Werden die Medikamente plötzlich weggelassen, kann es zu einer Stoffwechselentgleisung kommen. Um den Nebennieren genug Zeit zu geben, die Hormonproduktion wieder anzukurbeln, werden Kortison-Präparate unter ärztlicher Kontrolle ausgeschlichen. 

Antidepressiva 

Auch Arzneimittel gegen Depressionen werden meist Schritt für Schritt über einen längeren Zeitraum in der Dosis verringert. Das ist einerseits wichtig, um einen Rückfall in die psychische Krankheit zu vermeiden. Aber auch schwere Nebenwirkungen wie Schwindel und Schlafstörungen sind zu befürchten, wenn Antidepressiva zu schnell abgesetzt werden. 

Blutdruckmittel

Zur Behandlung von Bluthochdruck kann der Arzt unterschiedliche Arzneimittel verordnen, unter anderem Betablocker. Meist müssen diese Blutdrucksenker dauerhaft eingenommen werden. Möglich ist es allerdings, dass sich der Blutdruck durch gesunde Lebensgewohnheiten so positiv entwickelt, dass man mit weniger Tabletten auskommt- etwa, weil man Übergewicht abgebaut hat und sich mehr bewegt. Der Arzt hat entschieden, dass künftig auf verordnete Betablocker verzichtet werden kann? Dann heißt es: Langsam ausschleichen. Wird die Medizin abrupt abgesetzt, kann der Blutdruck plötzlich auf extrem hohe Werte ansteigen. Dann besteht erhöhte Herzinfarkt- und Schlaganfallgefahr.

Auch bei weiteren Arzneimitteln kann laut DGK zu rasches Absetzen Probleme verursachen. Das gelte sogar für manche Wirkstoffe, die ohne Rezept in der Apotheke erhältlich seien. Deshalb rät das DGK, in Zweifelsfällen mit Arzt oder Apotheke zu sprechen. mik

 

Text: mik (HNA)

Foto: pixabay / stevepb

AKTUELLE BEITRÄGE

Radfahren statt Auto oder ÖPNV - für eine bessere Gesundheit

Corona hat unser aller Alltag fest im...

Vitamin D: Wann eine ergänzende Einnahme sinnvoll ist

VON MIRKO KONRAD

Mehr als 90 Prozent der...

TIPPS Frühzeitig Ernährungserziehung angehen und gutes Vorbild sein

In vielen Dingen beeinflussen...

DAS GESUNDHEITSINTERVIEW zum Thema mikrobiologische Therapie

VON VERA GLASS

Bei der...

Bestimmte Entwässerungstabletten gegen Bluthochdruck können die Haut lichtempfindlicher machen. Ohne...