Milder Winter: Zecken sind bereits aktiv

Temperaturen über sechs Grad Celsius, eine feuchte Witterung – das vergleichsweise warme und regnerische Wetter war prägend für diesen Winter. Vielen Menschen macht dieses Klima seelisch und körperlich zu schaffen. Zecken dagegen fühlen sich pudelwohl.

„Wir werden in diesem Jahr viele Zecken bekommen“, sagt Brigitte Ringeler-Leipholz, Gründerin der Borreliose-Selbsthilfegruppe Kassel Stadt und Land. Und nicht nur das: Die Spinnentiere sind aufgrund des anhaltend milden Winters schon jetzt aktiv. Dauerte die Zeckensaison früher etwa von März bis Oktober, hat der Gemeine Holzbock inzwischen ganzjährig Saison. Das Gefährliche: Er überträgt Krankheiten wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine von Viren ausgelöste Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten.

Eine Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die von Bakterien (Borrelien) verursacht wird. Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin geht jährlich von Zehntausenden Menschen aus, die durch Zeckenstiche an Borreliose erkranken. Die Erkrankung kann Organe und Gewebe befallen und muss mit Antibiotika behandelt werden. Einen zugelassenen Impfstoff wie gegen FSME, an der 2018 fast 600 Menschen erkrankt sind, gibt es gegen die Borreliose nicht.

Laut Ringeler-Leipholz hängt die Zahl der Zecken mit der der Mäuse zusammen, bei denen sich die Spinnentiere die Borreliose-Erreger holen. Je mehr Mäuse desto mehr Zecken gibt es und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Stich Borrelien abzubekommen. Vor allem in heimischen Gärten und Parks – eben dort, wo es viele Mäuse gibt – muss man der Zeckenexpertin zufolge mit dem Gemeinen Holzbock rechnen. Er sitzt hauptsächlich auf Gräsern und im Gestrüpp.

Der beste Schutz vor Borreliose ist die Vorbeugung von Zeckenstichen. „Gerade mit dem Beginn der Gartensaison in diesem Frühjahr sollte man besonders vorsichtig sein“, rät Ringeler-Leipholz. Der einfachste Schutz sei, sich die Socken über die Hose zu ziehen und langärmelige Oberteile zu tragen. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte man den Körper gründlich absuchen, insbesondere bei Kindern. Zecken mögen feuchte und warme Körperstellen, wie Kniekehlen, Achselhöhlen und den Schambereich. Bei Kindern sitzen sie laut der Experten häufig im Haarbereich hinter den Ohren „Ein Zeckenstich wird in der Regel nicht bemerkt, weil die Zecke die Stelle betäubt, bevor sie mit dem Blutsaugen beginnt“, sagt Ringeler-Leipholz. Der Saugvorgang kann bis zu 48 Stunden dauern. In Bezug auf FSME empfiehlt das RKI eine Impfung für Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben. (mko)

Hintergrund
Ein Hinweis auf eine Borrelien-Infektion kann ein geröteter Kreis um die Einstichstelle herum sein. Dieser wird als Wanderröte bezeichnet. Bei diesem Symptom sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen. „Bei einer Borrelien-Infektion ist eine sofortige Antibiotika-Therapie notwendig“, sagt Brigitte Ringeler-Leipholz, die seit 1990 nach einem Zeckenstich selbst an Borreliose erkrankt ist. Die Wanderröte zeigt sich aber nur bei etwa 40 Prozent der Borrelien-Infektionen. Ringeler-Leipholz: „Der Rest hat diffuse Beschwerden wie grippeähnliche Symptome, Schweißausbrüche, erhöhte Temperatur und Gelenkschmerzen.“ Die Symptome treten typischerweise in Schüben auf. Die 73-Jährige leidet seit ihrem Zeckenstich 1990 regelmäßig unter solchen Schüben. Sie spricht von starken Schmerzen, die im Körper umherwandern, Energieverlust und Antriebslosigkeit. Als eigenständige Erkrankung ist die „Chronische Borreliose“ bisher nicht anerkannt. (mko)

Entfernen sollte man Zecken mit einer feinen Pinzette. Foto: Patrick Pleul/dpa

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