Kohlenhydrate sind wichtige Nährstoffe – Vorsicht bei Haushaltszucker

Zucker ist ein lebensnotwendiger Nährstoff. Kohlenhydrate, die aus Zuckermolekülen bestehen, sind wichtige Energielieferanten und der Treibstoff für Muskeln und Gehirn. „Vor allem unser Gehirn ist essenziell auf Zucker angewiesen“, sagt Prof. Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik an den DRK-Kliniken Nordhessen in Kassel.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, mindestens die Hälfte des täglichen Kalorienbedarfs über möglichst komplexe Kohlenhydrate zu decken. Doch zu viel Zucker kann auch krank machen. Die Folgen eines übermäßigen Zuckerkonsums gepaart mit zu wenig Bewegung können Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck sein – das sogenannte Metabolische Syndrom. Vor allem in den Industrienationen zählt es seit Langem zu den Volkskrankheiten, ebenso wie die Fettleber.

Man unterscheidet kurz- und langkettige Kohlenhydrate. Sinnvoll ist laut Löser der Konsum langkettiger Kohlenhydrate, die beispielsweise in Ballaststoffen, Vollkorn-Nudeln, Gemüse, Getreide und Vollkornprodukten enthalten sind. Zu den kurzkettigen Kohlenhydraten zählen Frucht- und Traubenzucker sowie Haushaltszucker, der aus je einem Molekül Fruchtzucker (Fruktose) und Traubenzucker (Glukose) besteht. Diese Zuckerarten sind in großen Mengen in vielen Süßspeisen wie Schokolade, Eis und vor allem in Softdrinks wie Cola, Limonaden, Energydrinks, aber auch in Fruchtsäften enthalten. Ein übermäßiger Konsum solcher Produkte sorgt für zu viel Fett auf den Rippen.

Eine Erhebung des EU-Statistikinstituts Eurostat hat ergeben, dass europaweit Menschen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren 1,8 Liter Softdrinks pro Tag konsumieren. „Das ist absurd – Soft- und Energydrinks wie auch Fruchtsäfte sollten nicht zum Durststillen getrunken werden“, sagt Löser. Er empfiehlt für Gesunde 2,5 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Tag in kalorienfreier Form und erklärt, wie Zucker vom Körper verarbeitet wird: Traubenzucker wird durch das Hormon Insulin in die Muskeln transportiert und dort abgebaut und gespeichert.

Sind die Muskelspeicher voll, wandelt der Körper den Zucker in Fett um, das sich an Bauch und Hüften ablagert. Fruchtzucker wird dagegen über die Leber verstoffwechselt. Kann die Leber die Zuckermengen nicht verarbeiten, werden sie ebenfalls in Fettzellen umgewandelt – so kann eine Fettleber entstehen. „Die Leberverfettung wird zunehmend zur Volkskrankheit“, sagt der Ernährungsexperte. Löser empfiehlt, den Konsum von Haushaltszucker auf ein Minimum zu reduzieren. Sein Tipp: Bei der Ernährung sollte man sich an Vollwertprodukten orientieren, beispielsweise Lebensmittel in reiner Form kaufen und zubereiten und möglichst wenig weiterverarbeitete und damit gesüßte und gesalzene Lebensmittel verwenden. „Die beste Ernährung nützt aber nichts, wenn man nicht auch körperlich aktiv ist“, sagt er.

Die WHO gibt als minimales Aktivitätsziel 150 Minuten pro Woche, also 21 Minuten pro Tag, an. Dabei ist die Zeit gemeint, die man am Tag schlicht „auf den Beinen“ ist. Das Fatale: Fast die Hälfte der Deutschen erreicht dieses Minimalziel nicht. Weltweit liegt Deutschland damit vor Saudi-Arabien und Brasilien auf dem drittletzten Platz.

Wer sein Gewicht reduzieren möchte, sollte sich laut Löser viel bewegen und insgesamt seine Kalorienaufnahme reduzieren. Bewegung und eine ausgewogene Ernährung seien zentrale Bausteine zur Vorbeugung und Therapie nicht nur von Übergewicht, sondern auch von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Typ 2 und viele Krebsarten. (mko)

Enthalten Unmengen an Zucker: Energydrinks wie auch Cola, Limonaden und Fruchtsäfte sollten nicht zum Durststillen getrunken werden, raten Experten. Besser sind kalorienfreie Getränke.  Foto: Frank Leonardt/dpa
 

AKTUELLE BEITRÄGE

Radfahren statt Auto oder ÖPNV - für eine bessere Gesundheit

Corona hat unser aller Alltag fest im...

Vitamin D: Wann eine ergänzende Einnahme sinnvoll ist

VON MIRKO KONRAD

Mehr als 90 Prozent der...

TIPPS Frühzeitig Ernährungserziehung angehen und gutes Vorbild sein

In vielen Dingen beeinflussen...

DAS GESUNDHEITSINTERVIEW zum Thema mikrobiologische Therapie

VON VERA GLASS

Bei der...

Bestimmte Entwässerungstabletten gegen Bluthochdruck können die Haut lichtempfindlicher machen. Ohne...