Hörverluste frühzeitig ausgleichen - Versorgung wichtig

Rund ein Fünftel der Deutschen leidet unter Schwerhörigkeit. Es ist ein geschätzter Wert, der laut des Deutschen Schwerhörigenbundes auf Hochrechnungen von Untersuchungsergebnissen kleiner Patientenmengen basiert. Eine verlässliche empirische Untersuchung über die Gesamtheit der Bevölkerung diesbezüglich gibt es nicht.

Ein Trend zeichnet sich jedoch deutlich ab: „Hörverluste treffen zunehmend junge Menschen“, sagt der Kasseler HNO-Arzt Lutz-Michael Schäfer. Laut einer Studie des Berufsverbandes der HNO-Ärzte hat jeder vierte Jugendliche im Alter von 17 Jahren einen nachweisbaren Hörschaden.

Das Erschreckende: Nur etwa ein Drittel aller Schwerhörigen tut auch etwas dagegen, lässt sich beispielsweise mit einem Hörgerät versorgen. Schäfer: „Dabei kann die frühzeitige Versorgung mit einem Hörgerät das Fortschreiten des Hörverlustes stoppen.“

Er erklärt warum: Das Hören findet genau genommen im Gehirn statt, wo die Töne, die Signale, die vom Ohr kommen, verarbeitet werden. „Töne, die ein Mensch wegen seiner Hörprobleme nicht mehr wahrnimmt, speichert das Gehirn nicht mehr ab“, sagt er. Es könne so zu einer Hörentwöhnung kommen. Die frühzeitige Versorgung mit einem Hörgerät kann das laut Schäfer verhindern.

Außerdem habe das Gehirn mithilfe des Hörgeräts die Möglichkeit, sich wieder an das Wahrnehmen bestimmter Töne zu gewöhnen. Bei einem Hörverlust gehen in der Regel die hochfrequenten Töne zuerst verloren. „Man hat beispielsweise Probleme, Vogelgezwitscher oder das Ticken einer Uhr zu hören“, sagt Schäfer. Ein weiteres Zeichen für einen Hörverlust sei, wenn man Schwierigkeiten habe, Gesprächen in einer bestimmten Geräuschkulisse, etwa in einer Kneipe, zu folgen.

Hörverluste können noch andere Gefahren bergen und etwa im Straßenverkehr zu Unfällen führen, wenn man bestimmte Geräusche, etwa von herannahenden Straßenbahnen, nicht mehr wahrnimmt. Auch Isolation ist oft eine Folge von Hörverlust. „Menschen ziehen sich zunehmend zurück, wenn sie Gesprächen nicht mehr richtig folgen können, sie meiden Menschengruppen“, sagt der Kasseler Hörgeräteakustikmeister Wilhelm Dombrink, Geschäftsführer von Hess Hören. Die frühzeitige Versorgung mit einem Hörgerät ist dem Hann.Mündener HNO-Arzt Marcus Hochhaus zufolge auch in puncto Demenz-Vorbeugung von Bedeutung: „30 Prozent der Demenz-Patienten mit einem Hörschaden sind nicht mit einem Hörgerät versorgt“, sagt Hochhaus. Experten sehen einen Zusammenhang zwischen der verringerten Stimulation des Gehirns durch einen nicht versorgten Hörverlust und Demenz. (mko)

Kaum sichtbar: Moderne Hörgeräte haben vielseitige Funktionen und können auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden.   Foto: Alexander Heinl/dpa

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