Endoprothetik: Schnell wieder mobil und schmerzfrei

Künstliche Knie- und Hüftgelenke haben inzwischen eine lange Haltbarkeit; die meisten Patienten sind nach dem Eingriff mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Allerdings unterliegen die eingesetzten Metall- und Kunststoffteile einem Verschleiß, weshalb auch bei Beschwerdefreiheit regelmäßige Kontrolltermine wichtig sind. Zudem können manche Kunstgelenke Probleme verursachen wie Schmerzen, Instabilität oder Bewegungseinschränkungen. Dr. Sören Bachmann informierte während der HNA-Telefonsprechstunde über die Behandlungsmöglichkeiten bei Beschwerden rund um die Prothese.

Ich habe im August vorigen Jahres ein neues Hüftgelenk bekommen. Schmerzen habe ich in dem Bereich keine, allerdings bekomme ich zum Teil starke Rückenschmerzen, wenn ich länger gehe. Gibt es da einen Zusammenhang?

Es kann sein, dass der Abspreizmuskel geschwächt ist und diese Schmerzen von dort in den Rücken ausstrahlen. Wenn die Schmerzen unter Physiotherapie nicht besser werden, sollte man den Rücken untersuchen und ggf. ein MRT machen lassen.

Wegen Arthrose brauche ich eine neue Hüfte, habe aber Bedenken wegen des Eingriffs. Nun habe ich von einer Spritzentherapie gehört – wäre das eine Alternative?

Bei starken Schmerzen am Hüftgelenk würde ich Ihnen die Operation empfehlen. Arthrose hat einen fortschreitenden Verlauf, sodass die Beschwerden mit der Zeit stärker werden. Eine Spritzentherapie, die in der Regel auf einer Mischung aus Cortison und Hyaluron beruht, lindert zwar die Schmerzen, der Verlauf wird dadurch aber nicht beeinflusst. Das Einsetzen von Prothesen gehört in dafür spezialisierten Einrichtungen inzwischen zur Routine. Vor dem Eingriff müssen Sie sich nicht fürchten. Die Patienten sind danach in der Regel sehr schnell wieder mobil und schmerzfrei.

Ich bin weiblich und bekam vor elf Jahren ein neues Kniegelenk. Das wurde locker und deshalb wurde es vor sieben Jahren ausgetauscht. Seither habe ich eigentlich immer Schmerzen im Knie, hauptsächlich beim Bewegen. Meine Hüfte muss übrigens wegen Arthrose auch gemacht werden.

Es kann sein, dass Ihre Beschwerden mit der bestehenden Hüftarthrose zusammenhängen, denn diese Schmerzen reichen mitunter bis ins Knie. Mit Spritzen in den Bereich kann getestet werden, ob die Hüfte die Ursache ist: Kommt es zur Linderung, hängt es damit zusammen. Wichtig ist, dass zuvor andere Ursachen wie eine Lockerung oder Infektion der Prothese ausgeschlossen sind.

Ich bin weiblich, 68 Jahre alt und bei mir steht demnächst eine Hüft-OP an. Welche Materialien werden dafür eigentlich verwendet?

Die Prothesenschäfte bestehen aus Titanlegierungen, wobei die eigentlichen Gelenkpartner aus Keramik und einem Spezialkunststoff sind – das hat sich über Jahrzehnte bewährt und wird fortlaufend verbessert. Prothesen können zementfrei oder mit Zement im körpereigenen Knochen verankert werden. In aller Regel verwendet man heute zementfreie Prothesen, bei denen sich der Prothesenschaft im Knochen verklemmt. Diese sind voll belastbar. Das Verfahren ist sicherlich auch für Sie geeignet. Nur bei sehr alten und gebrechlichen Patienten mit schlechter Knochenqualität werden heute noch zementierte Schäfte verwendet.

Ich bin männlich und habe vor anderthalb Jahren ein neues Hüftgelenk bekommen. Von Anfang an konnte ich aber nicht richtig laufen. Die Ärzte sagen, die Prothese sitze und alles sei okay. Die Schmerzen sind jetzt auch anders als vor dem Eingriff.

Man sollte auf jeden Fall einmal die Durchblutung Ihres Beins überprüfen. Sollte es Engstellen geben, bereitet das Schmerzen. Möglicherweise hängt es auch mit dem Abspreizmuskel zusammen, der geschwächt sein könnte. Sie sollten sich daher erneut untersuchen lassen.

Ich hatte vor vier Jahren eine Knie-Operation und habe immer Schmerzen, dadurch ist meine Bewegung eingeschränkt. Obwohl ich regelmäßig zur Krankengymnastik und auch zur Massage gehe, gibt es keine Besserung. Auf den letzten Röntgenbildern war nichts Auffälliges zu sehen.

Derartige Beschwerden kommen mitunter vor. In solchen Fällen muss man den Patienten ganz genau untersuchen, die Röntgenbilder analysieren und evtl. eine Computer-Tomographie ergänzen. Außerdem ist es wichtig, dass eine Infektion über Laborwerte und eine Gelenkpunktion ausgeschlossen wird. (veg)


Zur Person
Dr. Sören Bachmann (39) absolvierte sein Medizinstudium in Tübingen. In Hannover machte er seine Facharztausbildung zum Orthopäden und zum Unfallchirurgen. Zudem machte er eine Weiterbildung im Bereich spezielle orthopädische Chirurgie. Seit Oktober 2018 arbeitet der Mediziner als Oberarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie im Elisabeth-Krankenhaus in Kassel. In seiner Freizeit geht er gerne wandern, Radfahren und segeln. Der Mediziner ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Die Familie lebt in Kassel. (veg)

 

Dr. med Sören Bachmann, Oberarzt der Unfall- und orthopädischen Chirurgie im Elisabeth-Krankenhaus Kassel, geht den Ursachen für Schmerzen und Beschwerden auf den Grund. Foto: Elisabeth Krankenhaus Kassel

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