COPD: Wenn das Atmen immer schwerer wird

Atembeschwerden sind eine große Belastung – nicht selten geraten Betroffene bei Luftnot in Panik. Kein Wunder, schließlich kann der Organismus ohne Sauerstoff nur wenige Minuten überleben. PD Dr. Andreas Bastian, Chefarzt der Pneumologie und Intensivmedizin am Marienkrankenhaus Kassel, hat tagtäglich mit Menschen zu tun, die schlecht Luft bekommen.

„Die meisten Patienten mit Luftnot, die wir in unserer Abteilung behandeln, leiden unter COPD“, sagt der Mediziner. Frei übersetzt heißt das so viel wie chronische Lungenerkrankung mit verengten Atemwegen. „Patienten mit einer COPD leiden typischerweise unter Kurzatmigkeit, anfangs nur bei Anstrengung, in fortgeschrittenen Fällen auch in Ruhe“, erklärt Dr. Bastian. Außerdem können Symptome einer chronischen Bronchitis – Husten und Auswurf – vorliegen. Obwohl COPD-Patienten die Mehrheit der Patienten mit Lungenproblemen darstellen, gibt es viele weitere Patienten, die aufgrund anderer Erkrankungen Probleme mit den Atemwegen haben.

Da die COPD nicht heilbar ist, kommen die Patienten häufig in regelmäßigen Abständen auf die Station von Dr. Bastian. Die Mediziner sprechen in diesen Fällen von einer Exazerbation das heißt, die Beschwerden werden abrupt schlimmer. „Wenn ein Patient mit COPD zusätzlich einen Infekt der Atemwege bekommt, kann diese Situation auftreten“, so der Pneumologe und fährt fort: „Wenn Lungenpatienten sich dann so verschlechtern, dass sie nicht mehr ausreichend selber atmen können, beatmen wir sie vorübergehend über eine Maske mit angeschlossenem Beatmungsgerät (nichtinvasive Beatmung) – manchmal reicht das nicht aus – dann werden diese Patienten intubiert, das heißt, sie bekommen einen Schlauch in die Luftröhre.“

Wenn Patienten bereits zuvor nur wenig Reserven haben – in einem fortgeschrittenen Stadium der COPD sind – funktioniere das Selberatmen mit anschließendem Entfernen des Schlauches nicht so einfach. Diese Versuche, den Intubationsschlauch (Tubus) wieder zu entfernen, heißen Weaning. „Weaning ist komplex und erfordert viele verschiedene Fähigkeiten, damit es klappt“, sagt der Facharzt. Ein Team aus Beatmungsmedizinern, Atmungstherapeuten, Fachpflegekräften, Physiotherapeuten und Logopäden begleitet den Patienten beim Weaning. „Da dies komplex ist und um zu garantieren, dass diese Fähigkeiten in bestimmten Kliniken vorhanden sind, hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumonie Kriterien für zertifizierte Weaningzentren geschaffen. Es gibt in Deutschland weniger als 50 – wir sind eines davon. Weaningzentrum ist ein Qualitätsmerkmal“, sagt Dr. Bastian.

In manchen Fällen können Patienten jedoch nicht mehr entwöhnt werden – etwa, wenn die Atmung durch eine Querschnittslähmung im Halswirbelbereich nicht mehr funktioniert. Dann kann die Beatmung mit ins häusliche Umfeld genommen werden. Das Gleiche gilt für Patienten, die zeitweise – zum Beispiel nachts – invasiv beatmet werden müssen. (veg)

Luftnot: Wenn COPD-Patienten akut schlecht Luft bekommen, hilft ihnen die Beatmung. Foto: Lydie stock - stock.adobe.com

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