Brustkrebs: Schon ab 30 ist Vorsorge wichtig

FRAGEN UND ANTWORTEN Zusammenarbeit bei der Brustkrebs-Behandlung

Brustkrebs
Mit rund 70 000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Brustkrebs laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. In seltenen Fällen kann Brustkrebs auch bei Männern auftreten (etwa ein Prozent aller Neuerkrankungen). Wegen eines Verdachts auf Brustkrebs haben Ärzte laut Ärzteblatt.de im Jahr 2014 bundesweit 74 224 chirurgische Eingriffe in 817 Kliniken durchgeführt.

Kassel – Höhere Fallzahlen führen bei Brustkrebs-Operationen zu besseren Ergebnissen. Zu dieser Erkenntnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Die Deutsche Krebsgesellschaft fordert für Brustzentren etwa 150 Erstdiagnosefälle pro Jahr. Fragen und Antworten dazu.

 

Was genau verbessert sich durch höhere Fallzahlen in einem Krankenhaus?

„In Krankenhäusern mit höheren Fallzahlen und bei Ärzteteams, die viele Brustkrebsoperationen durchführen, sind die Überlebenschancen für die operierten Brustkrebspatientinnen insgesamt höher“, schreibt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das dafür nach eigenen Angaben zehn relevante Studien ausgewertet hatte. Zudem komme es seltener vor, dass an der operierten Brust weitere Eingriffe notwendig werden. Das bestätigt auch Prof. Dr. Thomas Dimpfl, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Kassel, Leiter des Interdisziplinären Brustzentrums sowie des Gynäkologischen Tumorzentrums. „In Brustkrebszentren wie hier am Klinikum werden über 80 Prozent der Frauen brusterhaltend operiert.“ Außerhalb der Zentren seien es 50 bis 60 Prozent.

Liegt das nur an der Anzahl der Operationen?

Natürlich ist Routine einwichtiger Punkt. Durch sie wird unter anderem das Ausmaß der Eingriffe kleiner. „Die Herausforderung ist, den Krebs im Ganzen zu entfernen und das mit einem guten kosmetischen Ergebnis“, so Dimpfl. Dafür sei Routine wichtig. Aber auch der enge Austausch der beteiligten Kollegen, den es in Brustkrebszentren gibt.

Wieso ist dieser Austausch so wichtig?

„Die Zeiten, in denen ein Einzelner weiß, wie alles geht, sind vorbei. Jeder bringt ein, was er am besten kann“, erklärt Dimpfl. Der Vorteil eines Brustkrebszentrums seien nicht nur die Zahl der Eingriffe, sondern vor allem, dass alle Kollegen unter einem Dach arbeiten – vom Radiologen über den Pathologen bis zum Gynäkologischen Onkologen, dem Plastischen Chirurgen, dem Strahlentherapeut, dem Onkologen und dem Apotheker. „Wir haben einmal wöchentlich eine Tumorkonferenz, bei der jede Patientin besprochen wird. Dabei hinterfragen wir uns stetig, jeder bringt sein Spezialwissen ein und so verbessern wir uns“, so Dimpfl. Das mache aber erst ab einer bestimmten Anzahl von Fällen Sinn.

Ist die Zahl der Brustkrebsfälle in den vergangenen Jahren gestiegen?

Ja, sind sie, sagt Dimpfl. Das läge allerdings größtenteils nicht daran, dass es generell mehr Fälle gebe, sondern an der Einführung des Mammografie Screenings – also in der Verbesserung der Früherkennung. „So wurden viel mehr Frühkarzinome gefunden, was wichtig ist, da wir so viel weniger aggressiv behandeln müssen und die Eingriffe kleiner werden“, erklärt Dimpfl. Mittlerweile seien die Fälle konstant bei etwa 70 000 Neuerkrankungen pro Jahr.

Wie wichtig ist diese Früherkennung?

„Bei Brustkrebs gibt es streng genommen keine Vorsorge, sondern nur eine Früherkennung, daher gilt: Desto früher ein Herd gefunden wird, desto besser“, sagt Dimpfl. Der Experte empfiehlt daher ab 30 Jahren eine regelmäßige Vorsorge, ab 40 Jahren eine regelmäßige Brustkrebsvorsorge, also eine Mammografie.

Was hat sich bei der Therapie in den vergangenen Jahren getan?

Sehr viel, sagt Dimpfl. So sei das Ausmaß der Operationen stetig verkleinert worden – etwa, indem man bei großen und aggressiven Tumoren erst eine Chemotherapie verordne und dann erst den kleiner gewordenen Tumor operiere. Auch das Ausmaß der Operation bei den Lymphknoten ist durch Einführung der Wächterlymphknotentechnik deutlich geringer geworden. Die Strahlentherapie sei zudem weniger aggressiv und in bestimmten Fällen müsse nur noch einmal während der Operation bestrahlt werden. Viel habe sich auch bei der medikamentösen Behandlung verändert, erklärt Dimpfl. „Wir müssen immer seltener mit einer Chemotherapie behandeln, sondern haben Alternativen, die gleiche Ergebnisse mit deutlich weniger Nebenwirkungen ermöglichen.“

Was kann jede Frau im Alltag tun?

Nicht jeden Tumor kann man als Laie fühlen. „Was aber jede Frau tun kann: Fühlen, dass sich ihre Brust verändert“, sagt Dimpfl. Sobald einem das auffalle, solle man das Ganze beim Frauenarzt abklären lassen und insbesondere regelmäßig sprich jährlich zur Früherkennung gehen.

 

Text: Marie Klement (hna)

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/zb/dpa

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