Anke Trebing aus Baunatal berichtet über ihre Krankheit auf Instagram und Facebook

Von Kathrin Meyer

Baunatal - Anke Trebing hält ein Schild in die Kamera: „Ich bin die Risikogruppe #beschützemich." Die 25-jährige Baunatalerin ist mit einem Herz-Lungen-Fehler geboren worden.

Nicht nur Senioren gehören zur Risikogruppe

Aufgrund ihrer chronischen Krankheit hat sie ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, sollte sie sich mit dem Coronavirus infizieren. In den sozialen Netzwerken macht sie in diesen Tagen mit anderen darauf aufmerksam. Sie alle wollen der Risikogruppe ein Gesicht geben.

„Es macht mich wütend, wenn einige denken, dass das Coronavirus nur für ältere Menschen eine Gefahr sein kann", sagt sie. „Man bleibt nicht nur für Oma und Opa zuhause - jeder sollte die Aufforderung ernst nehmen und zuhause bleiben."

Risikopatienten mit chronischer Krankheit

Vielen Risikopatienten sieht man ihre Krankheit nicht an, auch wenn sie sie ihr Leben lang beeinträchtigt. Eine „Extrawurst" will auch Anke Trebing nicht: „Wenn nötig, sage ich von mir aus, dass ich eine Pause brauche." Mit ihrer Krankheit geht sie im Alltag offen um, seit einigen Monaten auch in sozialen Netzwerken: „Ich will einfach darauf aufmerksam machen. Chronische Krankheiten sind kein Tabuthema. "

Wenn man Anke Trebing auf der Straße begegnet, dann sieht man eine lebensfrohe, junge Frau. Die chronische Krankheit beeinträchtigt sie, auch wenn sie selbst sagt, dass sie ein relatives normales Leben führt: Vollzeitjob, Hobbys und eine gemeinsame Wohnung mit ihrem Freund. „Wer mich nicht kennt und meine Narben nicht sieht, der merkt mir meine Krankheit nicht an", sagt die 25-Jährige.

Anke Trebing hat einen angeborenen Herzfehler

Wegen ihres angeborenen Herzfehlers ist sie mehrfach am offenen Herzen operiert worden. Der Fehler wurde korregiert, gesund sei sie aber nicht. „Ich kann damit leben und bin auch schon sehr viel älter, als man mir bei meiner Geburt vorausgesagt hat", erzählt Anke Trebing. Neben ihrem Herzfehler hat sie Lungenhochdruck. Das führt zu einem verringertem Lungenvolumen. „Ich habe nicht die Möglichkeit, so viel Luft ein- und auszuatmen, wie es eigentlich sein sollte. Deshalb bin ich sehr kurzatmig und muss öfter Luft holen." Ausdauersportarten sind damit für sie unmöglich. Auch Fahrradfahren konnte sie lange nicht mehr. Im vergangenen Jahr hat sie sich nach langem Überlegen entschlossen, ein E-Bike zu kaufen. „Immer wieder gibt es komische Blicke, warum eine 25-Jährige ein E-Bike fährt, aber für mich ist das eine tolle Möglichkeit, die mir wieder viel Freiheit gibt."

Zu Hause bleiben um Menschen zu schützen

Anke Trebing ist jetzt bereits die dritte Woche zuhause. Ihr Arbeitgeber hat die Verwaltungsfachangestellte wegen ihrer Schwerbehinderung freigestellt. Normalerweise macht sie mehrmals pro Woche Sport wie Yoga und Tanzen. Das fällt jetzt weg. Die Ansteckungsgefahr ist zu groß. 

Ihr Freund geht noch arbeiten. „Aber er hat keinen Kontakt zu anderen Personen", sagt Anke Trebing. „Er meidet jegliche Kontakte, um mich zu schützen." Einkaufen und Gänge zur Apotheke übernehmen Trebings Eltern, die in Edermünde wohnen. 

Auch ihre Freundin hat die 25-Jährige seit Wochen nur digital gesehen. „Manchmal machen wir einen Video-Call." Besonders freue sie sich, wenn sie neben zahlreichen Anrufen und Nachrichten Postkarten oder Briefe in ihrem Briefkasten findet. „Gerade in diesen Zeiten, wo die Kommunikation vorwiegend digital stattfindet, ist das noch mal etwas ganz Besonderes." Bei ihrer Arbeitsstelle ruft die gebürtige Edermünderin ein Mal pro Woche an. „Es ist in diesen Tagen auch einfach schön, vetraute Stimmen zu hören", sagt sie.

Wie gestaltet Anke Trebing aktuell ihren Alltag? „Manchmal erlaube ich mir, am Vormittag mal mit dem Rad zu fahren oder spazieren zu gehen", erzählt sie. Allerdings nur in den Feldern nahe der Wohnung. Aber auch dort müsse sie aufpassen: „Am Wochenende, wenn das Wetter gut ist, kann ich das Haus nicht verlassen, dann ist zu viel los." Ihre Yoga-Einheiten kann Anke Trebing glücklicherweise online machen. Außerdem nutzt sie die Zeit zuhause, um an ihrem Buch zu schreiben, das im Herbst erscheinen soll. 

Über ihre Social-Media-Accounts hat Anke Trebing in diesen Tagen viel Kontakt zu anderen Betroffenen. „Die Resonanz ist enorm. Vor allem, weil ich ja nicht über Trendthemen wie zum Beispiel Mode oder Einrichtung schreibe. Chronische Krankheiten sind kein Thema, das jeden und vor allem junge Menschen direkt anspricht." Neben der Frage nach Tipps und Ratschlägen bekommt Trebing auf Instagram und Facebook aber auch viele Komplimente, dass sie so offen mit ihrer Krankheit umgeht. „Mittlerweile muss ich mir täglich schon mindestens eine halbe Stunde Zeit nehmen, um alles zu beantworten", sagt sie. „Aber das macht die Zeit zuhause um einiges schöner."

 

Kontakt: Anke Trebing ist bei Facebook unter Ankes Herz zu finden. Ihr Instagram-Account heißt: ankes_herz

Will der Risikogruppe ein Gesicht geben: Anke Trebing aus Baunatal berichtet über ihre Krankheit auf Instagram und Facebook. Foto: Privat/NH
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